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Expertenrat: Diabetes im Straßenverkehr

Was gibt es Neues zum Thema Diabetes im Straßenverkehr ?

Diabetes geht mit einem Risiko für Verkehrsunfälle einher. Doch wer Hypoglykämien wirksam vorbeugt, ist im Straßenverkehr auf der sicheren Seite. Worauf es dabei ankommt, verrät der Rechtsanwalt und Leitlinienautor Oliver Ebert.

Herr Ebert, warum wird die Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ gerade aktualisiert?

„Die weltweit erste evidenzbasierte Leitlinie aus 2017 ist nicht mehr aktuell. In der neuen Version werden auch die Auswirkungen moderner Technologien wie CGM- und AIDSysteme berücksichtigt. Wir ergänzen zudem aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und entwerfen zusätzliche Checklisten und Aufklärungsbögen für Behandelnde.“

Sinkt mit einem rtCGM-System das Risiko für Unfälle?

„rtCGM-Systeme können helfen, Risiken zu minimieren. Umgekehrt ergibt sich aber eine gesteigerte Sorgfaltspflicht. Es gibt Anwender, die dazu neigen, Alarme auszustellen. Das ist natürlich nicht sinnvoll und kann das Unfallrisiko steigern. Kommt es zu Zwischenfällen, müssen Betroffene nachweisen, dass sie alles tun, um Hypoglykämien vorzubeugen: Die Alarmgrenzen müssen richtig eingestellt sein, die Alarme aktiviert, erforderliche Kalibrierungen ernstgenommen werden. Und der Einsatz muss den Herstellervorgaben entsprechend erfolgen.“

Wie ist es mit AID-Systemen?

„Ähnlich. Sie sind eine sehr gute Unterstützung, aber es braucht einen achtsamen Umgang damit. Sensormessfehler treten zwar nur selten auf, aber man sollte sich bewusst sein, dass sie zu einer fehlerhaften Insulinabgabe führen können. Ohne gute Eigenwahrnehmung der Blutzuckerwerte kann eine Hypoglykämie unbemerkt bleiben.“

Was wird empfohlen, um Hypoglykämien während der Fahrt zu vermeiden?

„Der Blutzucker sollte unmittelbar bei Fahrtantritt mindestens 5 mmol/L bzw. 90 mg/dL betragen und alle drei Stunden kontrolliert werden. Es ist wichtig, eine ausreichende Menge schnell wirksamer Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Fruchtsaft mitzuführen. Kommt es doch zu einer Unterzuckerung, ist die Weiterfahrt erst bei einem stabilen Spiegel wieder erlaubt. Es ist sinnvoll, mindestens 20 Minuten zu warten, bis die volle Leistungsfähigkeit wiederhergestellt ist.“

Erhöhen Hyperglykämien auch das Unfallrisiko?

„Nein, dafür gibt es keine wirklich belastbaren Belege. Eine vorübergehende Fahruntauglichkeit liegt aber etwa in der Einstellungsphase auf Insulin vor. Besonders, wenn es zu Beeinträchtigungen des Sehens kommt oder die Blutglukose stark schwankt.“

Was müssen Menschen mit Diabetes wissen, die beruflich Fahrzeuge steuern?

„Wenn es keine schweren Unterzuckerungen in den letzten zwölf Monaten gegeben hat, kann jedes Verkehrsmittel sicher geführt werden. Im Vorstellungsgespräch muss der Diabetes nicht erwähnt werden.“

Herr Ebert, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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