35 Jahre DiaExpert – Ein Blick in die Geschichte Teil I

Die Insulinpumpe von Disetronic
Zwei Jahre später, 1990, tragen allein 3 000 Diabetiker in Deutschland die Insulinpumpe H-TRON von Disetronic. Zum Programmieren der Basalrate steht für diese Pumpe seit 1985 das Zubehör beim behandelnden Arzt zur Verfügung. „Der‚talentierte‘ Patient darf dann auch mal alleine“, heißt es auf der Website des Deutschen Diabetesmuseums humorvoll (www.diabetesmuseum.de).Zuhause Blutzucker messen
Ein weiterer Meilenstein in der Diabetologie sind die ersten handlichen Blutzucker- Messgeräte, die ab 1990 in Deutschland verfügbar sind. „Allerdings“, erinnert sich Dr. Maraun, „musste für jedes Blutzucker- Messgerät ein Antrag geschrieben werden.“ Die Krankenkasse konnte dann entscheiden, ob das Gerät für den Diabetiker genehmigt wird oder nicht. Bernd Büsch erinnert sich noch gut daran, dass die Blutzuckermessung nur beim Arzt möglich war. Bernd ist langjähriger DiaExpert Kunde und kann in Bezug auf den Diabetes auf 49 Jahre Erfahrung zurückblicken. Seit er vier Jahre alt ist, ist er insulinpflichtig und hat zahlreiche Meilensteine der Diabetologie miterlebt. Ebenso wie Michael Maraun erhielt er die Diagnose lange bevor es Pumpen, Pens und handliche Blutzucker- Messgeräte zur Selbstkontrolle gab. „Davor war die Situation so, dass man alle zwei Wochen zum Arzt ging. Für das Tagesprofil, dass der Arzt dann erstellte, musste man dreimal am selben Tag in der Praxis erscheinen. Anhand der an diesem Tag gemessenen Blutzuckerwerte wurde die Ernährung und die Insulindosis festgelegt. Mit der Möglichkeit, den Blutzucker zuhause zu messen, wurde das Leben wesentlich einfacher. Die Messgeräte mussten zwar zunächst noch an den Strom angeschlossen werden, aber die Patienten konnten selbst ein Tagesprofil erstellen.
Mehr Platz für Disetronic
Im Zuge der stetigen Weiterentwicklung in der Diabetologie wächst auch Disetronic. 1991 zieht das Unternehmen in größere Räume nach Sulzbach/ Taunus. 4 000 Insulinpumpen-Träger gibt es inzwischen in Deutschland. Die meisten von ihnen bestellen ihr Zubehör bei Disetronic Diabetes Service. Das Unternehmen, aus dem später DiaExpert hervorgeht, ist in den Augen von Dr. Michael Maraun ebenfalls ein Meilenstein in der Diabetologie. „Früher gab es den Hausarzt und den Apotheker. Aber weder die Praxis noch die Apotheke waren wirklich spezialisiert auf den Diabetes. Ein Versandhandel für Diabetesbedarf, der seinen Schwerpunkt auf die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche von Menschen mit Typ-1-Diabetes legt, trägt mit dazu bei, dass sich die Diabetologie insgesamt verbessert“, so der Facharzt aus Schopfheim. Dr. Maraun ist ein echter Insulinpumpen- Fan. „Im Bereich der Insulinpumpe liegen meine Sicht als Arzt und meine Sicht als Patient komplett auf einer Linie“, sagt er. Mit der Insulinpumpe sei es für den Diabetiker möglich, ein Leben zu führen, das dem eines Nicht-Diabetikers ziemlich nahe komme. „Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein mit einer Insulinpumpe eingestellter Diabetiker durschnittlich gesundheitlich besser gestellt ist als ein Diabetiker mit einer ICT. Ich habe mit einer Insulinpumpe die Möglichkeit, meinen Stoffwechsel noch besser an die Funktionsweise einer natürlichen Bauchspeicheldrüse anzupassen.“HbA1c-Tests
Anfang der 90er Jahre werden die ersten kommerziell verfügbaren HbA1c-Tests entwickelt. Dr. Maraun zufolge ein weiterer Meilenstein. Damit werden Rückschlüsse auf die Blutzucker-Konzentrationen der letzten drei Monate ermöglicht. Der HbA1c wird umgangssprachlich auch als Blutzuckergedächtnis bezeichnet. Noch heute wird dieser Wert regelmäßig überprüft und zur Optimierung der Therapie herangezogen.Gut informiert
Der Disetronic Diabetes Service nimmt das Wort Service im Firmennamen ernst. Hierzu gehört für das Unternehmen auch das Bereitstellen nützlicher Informationen. 1995 erscheint daher das erste Kundenmagazin „Pumpen-Forum“, Vorläufer des Diabetesmagazins feelfree. Darin werden die Kunden des Versandhandels regelmäßig und kostenlos über Neuigkeiten und Entwicklungen rund um die Insulinpumpen-Therapie informiert. „Das war die Zeit, in der der gut informierte Patient an Bedeutung gewann“, erinnert sich Michael Maraun. Anfang der 90er Jahre und ausgehend von Prof. Assal in Genf, rückte der Gedanke der Patientenschulung mehr und mehr in den Fokus der Diabetologie. „Für mich war das ein ganz großer Schritt“, sagt Dr. Maraun.
Ernährung: Mehr Lebensqualität
Parallel dazu änderte sich die Einstellung zur Ernährung. Bis Anfang der 90er Jahre gab es für Diabetiker ein festes Ernährungsregime. Zucker beispielsweise war komplett verboten. Bernd Büsch weiß noch, dass die Eltern von Schulfreunden spezielle Diabetiker-Kekse für ihn kauften, wenn Geburtstag gefeiert wurde. Supermarktregale mit Diabetiker-Lebensmitteln waren bis Ende der 90er Jahre keine Seltenheit. Die sogenannte Liberalisierung der Ernährung sei für das Leben eines Diabetikers sehr einschneidend gewesen, sagt Dr. Maraun. „Auch wenn die Einstellung der Ärzte bis heute sehr unterschiedlich ist, hat sich durchgesetzt, dass ein geschulter Diabetiker alles essen und trinken kann.“Die DCCT-Studie
1993 führten die ersten Ergebnisse der DCCT-Studie dazu, dass die Blutzuckerwerte standardmäßig in einem engeren Zielbereich angestrebt werden sollen. Damit einhergehend gewann die ICT (intensivierte Insulintherapie mit Basal- und Bolusinsulin in flexiblem Spritzschema) als Weiterentwicklung der CT (konventionelle Therapie mit starrem Spritzschema und festen Insulindosen) an Bedeutung. Von den 1 441 DCCT-Teilnehmern bei Studienstart sind heute noch rund 95 Prozent in der Nachbeobachtungsphase dabei.